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Mossul, Gaza und die Heuchelei der Welt – Audiatur-Online

Der IS hat von der Hamas gelernt, wie man die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilder verwendet. Als Hunderte von Zivilisten in den von den USA angeführten Luftschlägen im Irak getötet wurden, gab es keinerlei Proteste und keine Klagen wegen ‚Kriegsverbrechen‘. All das ist einzig und allein einem Land vorbehalten – Israel. 

von Ben-Dror Yemini 

Hunderte von Frauen und Kindern wurden in den letzten Wochen in Mossul getötet. Die Amerikaner bombardierten das Gebiet im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit der irakischen Armee im Kampf gegen den Islamischen Staat. Diese Tragödie schaffte es jedoch nicht in die Schlagzeilen. Ebenso wenig waren Klagen wegen „Kriegsverbrechen“ zu hören. Auch keine moderateren Äusserungen wie etwa Beschwerden wegen „einer unverhältnismässigen Reaktion“. Es gab keine wie auch immer gearteten Proteste. Die feindlichen Ressentiments, wie etwa verurteilende Schlagzeilen, behält man sich für ein einziges Land der Welt vor – für Israel.

Die Vereinten Nationen sprachen Verurteilungen aus – nicht etwa gegen diejenigen, die das Gebiet bombardierten, sondern gegen die Verwendung von Zivilisten als „menschliche Schutzschilder“. Die New York Times, die Israel während der Operation Protective Edge permanent verurteilt hatte, argumentierte in erster Linie mit Trump: „Insgesamt warf der Anstieg der berichteten zivilen Todesfälle Fragen darüber auf, ob die ehemals strikten Einsatzregeln zur Minimierung ziviler Opfer unter der Trump-Regierung gelockert wurden.“

Man hätte vermuten können, dass die strengen Einsatzregeln ab 2003, oder vielleicht erst ab 2008, eine minimale Zahl an Zivilopfern zur Folge gehabt hätten. Nun ja, die Zahlen sagen etwas anderes aus: Seit Beginn des Kriegs im Irak im Jahr 2003 wurden dort 268.000 Zivilisten getötet. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der ehemalige Präsident Barack Obama die Anzahl der zivilen Opfer reduziert hätte. Die Verwendung von Drohnen zum Beispiel war in der Ära Obama zehnmal höher als zur Amtszeit von George W. Bush.

Der Vorsitzende der US-amerikanischen Joint Chiefs of Staff, Martin Dempsey, gab in der Vergangenheit zu, dass er in seinem Bestreben, die Anzahl der Zivilopfer zu reduzieren, seine Offiziere nach Israel schicke, wo man „aussergewöhnliche Anstrengungen unternommen“ habe, „um die Kollateralschäden und Opfer unter der Zivilbevölkerung [in Gaza] zu beschränken“.  Allerdings verminderte dies nicht den Grad der Feindseligkeit gegenüber Israel. Ebensowenig taten dies die für die Hamas-Milizen herausgegebenen Richtlinien, in denen sie angewiesen wurden, aus der Zivilbevölkerung heraus zu operieren, um die Anzahl der unschuldig getöteten Zivilisten zu erhöhen und somit den Druck auf Israel zu verstärken.

Hamas benutzt Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilder. Foto IDF Spokesperson 2014
Hamas benutzt Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilder. Foto IDF Spokesperson 2014

Aus einer vergleichenden Perspektive ist es ganz offensichtlich, dass die Anzahl der durch Israel zu Tode gekommenen Zivilisten wesentlich geringer ist. Sprecher der Hamas haben sich, sogar noch häufiger als die IS-Kämpfer, wiederholt damit gebrüstet, dass sie Zivilisten – in erster Linie Frauen und Kinder – als menschliche Schutzschilder benutzen. Der IS hat von der Hamas gelernt und hofft, dass der gleiche internationale Druck, der auf Israel ausgeübt wird, auch auf die Koalitionsstreitkräfte ausgeübt werden wird. Die Kämpfer der Organisation wurden auf den Dächern der Gebäude stationiert, die unter Beschuss standen. Somit war die Mission erfüllt. Hunderte von Zivilisten wurden getötet.

Ich schreibe diesen Artikel, weil schon der Klang der Kriegstrommeln im Hintergrund zu hören ist: Die Schlagzahl der vom Gazastreifen aus abgefeuerten Raketen hat sich erhöht, die Hamas hat einen militanten Führer gewählt – Yahya Sanwar – und sie investiert, wie alle dschihadistischen Organisationen, lieber in die Industrie des Todes (Tunnel und Raketen) als in den Wiederaufbau des Gazastreifens. Sobald der Konflikt beginnt, wird die weltweite Reaktion exakt dieselbe sein, wie schon in den vorausgegangenen Runden. Die Proteste werden sich gegen Israel richten, nicht gegen die Hamas.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nichts tun können. Es gibt da etwas. Israel sollte einen drastischen, weitreichenden Vorschlag zur Beendigung der Blockade im Gazastreifen in die Wege leiten. Die Formel sollte lauten: Wiederaufbau im Austausch gegen Entmilitarisierung. Wenn die Hamas einwilligt, wird Israel davon profitieren. Wenn die Hamas Nein sagt, wird Israel einen bedeutenden diplomatischen Vorteil gewinnen.

Israel ist weder die USA noch die NATO. Israel wird nicht behandelt wie der Rest der westlichen Staaten. Sobald also die ersten Berichte über zivile Opfer erscheinen, wird auch der internationale Druck beginnen, einschliesslich Demonstrationen, Protesten und verurteilenden Artikeln. In solchen Situationen sind Vergebung und Zurückhaltung jeder anderen Armee vorbehalten, nicht jedoch den Israelis. Und wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass der internationale Protest, der Israel als Verbrecher abstempelt, die taktischen und strategischen Entscheidungen während der Kämpfe beeinflusst.

Eine israelische Initiative wird zwar die anti-israelische Heuchelei nicht beseitigen, aber sie wird Israel helfen, mit den von der Hamas vorbereiteten Fallen zur Steigerung der Anzahl der zivilen Opfer zurechtzukommen. Israel bereitet sich auf den nächsten Konflikt vor. Die Vorbereitungen sollten sich jedoch auch auf die Diplomatie fokussieren.

Ben-Dror Yemini ist Jurist, Wissenschaftler und Kolumnist der israelischen Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“. Auf Englisch zuerst erschienen bei Yedioth Ahronoth.

Quelle: http://www.audiatur-online.ch/2017/04/03/mossul-gaza-und-die-heuchelei-der-welt/

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